Finchen erzählt: „Plötzlich Nanny“
(Aus Krümmels Welt – Erinnerungen aus dem Katzenbüro): Hier geht es zum 1. Teil der Geschichte. Erzählt aus dem Pfotenbuch von Autorin Mickey.


Oh…das bin ja ich, als ich noch in Krümmels Alter war… Darf ich vorstellen? Das Mini-Me heißt Finchen. Hier noch die kleine Ausführung von mir. Moment – ich krame mal in meinen Erinnerungen…

Eigentlich war ich selbst noch kaum den Kinderpfoten entwachsen, als mein Leben plötzlich eine neue Richtung nahm. Frisch von einer ziemlich unschönen OP erholt und mit der Erkenntnis konfrontiert, dass eigene Kitten keine Option mehr sein würden, hatte ich mir mein Katzenleben eigentlich anders vorgestellt: ruhig, sonnig, planbar.
Nun ja. Pläne sind etwas, worüber Katzen gern milde lächeln.
Damals war ich ein echtes Energiebündel. Wände? Hochklettern. Fliegengitter? Ebenfalls kein Problem – zumindest solange meine Figur noch jugendliche Leichtigkeit hatte. Feste Spielzeiten mit den Dosis waren Pflicht, sonst konnte ich ausgesprochen hartnäckig werden. Und an warmen Abenden liebte ich es, auf einem Arm zu liegen und in den Sonnenuntergang hinein zu träumen. Ein schönes Leben. Ruhig. Überschaubar.





Und dann kam Krümmel.



Ich beschloss spontan: Den nehme ich unter meine Pfoten.
Eine halbe Portion Katze, wenn überhaupt. Roter Strubbelkopf, riesige Ohren, ein dünner Schwanz wie ein Pfeifenreiniger – und eine Stimme, die offenbar rund um die Uhr senden konnte. Angeblich aus Rumänien angereist, mit über 1800 Kilometern Gesprächsbedarf im Gepäck. Ob Geschichten oder Dauermeckern, blieb zunächst unklar.
Ich beschloss spontan: Den nehme ich unter meine Pfoten.
Nicht aus Mitleid. Eher aus Instinkt. Irgendjemand musste diesem kleinen Wirbelwind schließlich beibringen, wie ein Katzenhaushalt funktioniert. Manieren, Ruhe, Würde – solche Dinge.
Zumindest war das der Plan.


Die Realität sah etwas anders aus.
Krümmel schaffte es in erstaunlich kurzer Zeit, nicht nur unsere Dosis, sondern gleich den kompletten Katzen-Clan um seine kleinen Pfoten zu wickeln. Seine Methode: grenzenlose Niedlichkeit gepaart mit einem Ego, das locker für drei ausgewachsene Kater reichte. Kein Wunder, dass seine Pflegeeltern in Rumänien ihn liebevoll „Naughty Boy“ nannten.
Während ich also dachte, ich würde ihn erziehen, hatte er längst beschlossen, mich zu seinem persönlichen Komfortprogramm zu machen.
Putzen? Gerne.
Kuscheln? Natürlich.
Beschützen? Selbstverständlich.
Und ich ließ es zu. Mehr noch – ich genoss es.
Wir tobten zusammen, testeten jedes neue Spielzeug, das unsere kreativen Dosenöffner anschleppten, und entwickelten eine ganz eigene Dynamik: ich leise, schnurrend, diplomatisch. Er laut, fordernd und dabei unfassbar charmant.

Bis dieser eine Tag kam – seine Kastration.
(Passender ausgedrückt: „Operation zur charakterlichen Neujustierung“, wie wir im Katzenbüro sagen.)


Als er zurückkam, noch etwas benommen und ziemlich tapsig, war ich wieder da. Aufpassen, wärmen, beruhigen. Alte Nanny-Reflexe. Das machte ich gern.



Wo früher innige Kuschelstunden waren, war jetzt viel Abstand. Wo ich wichtig war, trat plötzlich jemand anderes in den Vordergrund: Die Dosis. Exklusiv. Rund um die Uhr.
Meine Dienste wurden… sagen wir mal salopp – weniger benötigt.
Nun, ich bin gerecht und trage nichts nach – aber ein klein wenig unerhört war das schon. Erst Nanny engagieren und dann einfach kündigen? Typisch Kater.
Immerhin hat es am Ende aber doch mehr Vorteile:
Mein Bett gehört wieder mir allein, ich habe meine Ruhe zurück und kann meine wohlverdienten zwanzig Stunden Schlaf pro Tag endlich wieder ungestört absolvieren.
Und Krümmel?
Er ist immer noch eine Plaudertasche. Redet viel.
Sehr viel. Manchmal wünschte ich, es gäbe einen Schalter zum Ausschalten.
Aber ich muss zugeben: Ohne ihn wäre es deutlich langweiliger im Katzenbüro geworden.
Katze gut! Alles gut!
Finchen
Krümmels Welt – Der Film
Unsere Autorin Finchen




